Der Maremmano

Der Maremmano – sanfter Wächter mit großem Herzen

Der Maremmano-Abruzzese ist ein klassischer Herdenschutzhund (HSH), dessen Ruf oft missverstanden wird. Viele verbinden das Wort HSH mit Aggressivität oder Unberechenbarkeit – beim Maremmano trifft das jedoch ganz und gar nicht zu.

Der Maremmano ist eine ruhige, ausgeglichene und sehr liebevolle Rasse. Er handelt überlegt, nicht impulsiv. Seine Wachsamkeit zeigt sich eher durch Präsenz und Aufmerksamkeit als durch Aktion. Im Vergleich zu temperamentvolleren Herdenschutzhunden wie z.B dem Kangal ist der Maremmano deutlich sanfter, leiser und zurückhaltender.

  • Eigenständig & stur: Er ist kein klassischer „Will-to-please“-Hund. Konsequente, erfahrene Führung ist wichtig.
  • Wach- und Schutztrieb: Er entscheidet selbst, was er als Gefahr empfindet – das muss kontrollierbar bleiben.

Ruhiger heißt nicht „einfacher“. Der Maremmano ist emotional oft stabiler, aber er entscheidet trotzdem selbst.

Mythos Herdenschutzhund:

Herdenschutzhunde sind keine gefährlichen Hunde, sondern intelligente, sensible Wächter mit großem Sozialverhalten.

Ihre Aufgabe war es jahrhundertelang, zu schützen - nicht anzugreifen. Der Maremmano verkörpert genau das: Ruhe statt Aggression, Präsenz statt Gewalt, Liebe statt Angst.

Unterschied zum Hütehund:

Hütehunde arbeiten auf Kommando, sind sehr aktiv und ständig „on“.

Herdenschutzhunde denken selbstständig, handeln überlegt und sind deutlich ruhiger.

Wie denkt ein Maremmano beim Rückruf?

Ein Maremmano fragt sich innerlich: „Warum soll ich kommen – ist das gerade sinnvoll?“ Wenn er keine Gefahr sieht, kommt er meist ruhig zurück. Wenn er meldet (bellt, fixiert, sich positioniert), hat er einen Auftrag übernommen. In diesem Moment hat seine Aufgabe Vorrang vor deinem Ruf.

Ein Maremmano lässt sich nicht unterbrechen, sondern ablösen.

  • ein ruhiges Wort („Danke“, „Passt“, „Alles gut“)
  • kombiniert mit ruhigem Näherkommen

Das heißt für den Hund: „Ich habe gesehen, was du meinst – ich übernehme jetzt.“   Das ist für einen Maremmano logischer als „Komm!“.

Anschlagen?

Ja – aber nicht kopflos.

Auf dem Grundstück melden sie, möchten dann abgeholt werden. Außerhalb ihres Territoriums sind viele HSH viel entspannter und gelassener.

Mythos HSH:

Keine gefährlichen Hunde – sondern sensible, treue Familienmitglieder, wenn man sie versteht.

Aufklärung statt Vorurteile

Für wen ist ein Herdenschutzhund wie der Maremmano geeignet? 🤍

  • Für Menschen mit Geduld, Ruhe und Verständnis
  • Für Familien oder Einzelpersonen, die klare, souveräne Führung geben
  • Für Haushalte mit Garten / Grundstück (kein klassischer Wohnungshund)
  • Für Menschen, die keinen „Befehlsempfänger“, sondern einen Partner suchen
  • Familien mit Hundeerfahrung
  • Ruhiger, strukturierter Alltag
  • Respektvolle Kinder (kein Ziehen, kein Klettern)
  • Weniger geeignet für sehr trubeligen Haushalt oder Ersthund-Besitzer
  •  Nicht geeignet für stark kontrollierende, hektische oder unerfahrene „Alles-muss-sofort-klappen“-Menschen

Fazit:

Der Maremmano ist kein typischer Spielkamerad, sondern eher ein ruhiger, wachsamer Familienbeschützer. In der richtigen Familie kann er sehr liebevoll und kinderfreundlich sein.

Erziehung eines Maremmano

  • Die Erziehung eines Maremmano ist Beziehungsarbeit.
  • Er braucht keine Härte, sondern Konsequenz, Fairness und Vertrauen.
  • Er lernt langsamer – denkt dafür selbstständig
  • Rückruf üben ja, aber realistisch bleiben
  • Klare Regeln, wenig Druck
  • Viel Sozialisation, besonders außerhalb des Territoriums
  • Ruhige Führung statt ständiger Korrektur
  • liebevolle,konsequente Erziehung durch positiver Verstärkung
  • Ein gut geführter Maremmano ist sanft, loyal und tief verbunden mit seinen Menschen.

Herdenschutzhunde sind keine Problemhunde – sie sind besondere ,hochsensible Hunde.

Wer sie versteht, bekommt einen Freund fürs Leben.

Alltag im Haus

Drinnen

  • meist ruhig, gelassen, unaufdringlich
  • sucht sich strategische Liegeplätze (Flur, Fenster, Haustür)
  • schläft viel, beobachtet aber ständig
  • wenig verspielt, kaum „Clown- Verhalten“

Viele Maremmani sind angenehme Mitbewohner, solange:

  • sie nicht unterfordert sind
  • sie klare Regeln kennen

Draußen (sehr wichtig)

  • Garten ist kein Luxus, sondern Bedarf
  • er patrouilliert, liegt erhöht, hört & sieht alles
  • Zaun muss stabil und hoch sein

Ohne Garten: staut sich Wachtrieb, mehr Melden, mehr Stress

Familie & Kinder: sehr familienbezogen, oft besonders sanft zu Kindern, schützt sie instinktiv

Aber: kein Spielhund, mag kein Grobsein, Kinder müssen respektvoll sein

Spaziergänge & Beschäftigung: keine Daueraction nötig

lieber: ruhige, lange Spaziergänge, gleiche Routen, Zeit zum Beobachten, wenig Interesse an: Bällchen, Agility, Tricks

Mentale Ruhe ist wichtiger als Auslastung.

Richtig gehalten und gut sozialisiert kann der Maremmano wunderbar in einem Privathaushalt leben.

Wichtig ist zu verstehen:

Der Maremmano denkt selbstständig. Er braucht keine harte Erziehung, sondern klare, faire Führung, Vertrauen und Respekt. Wer ihm Sicherheit gibt, bekommt einen treuen Begleiter, der seine Familie beschützt – nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung.

MYTHOS vs. FAKTEN – Ernährung beim Maremmano (HSH)

Mythos: Herdenschutzhunde brauchen extrem viel Fleisch.
Fakt: Der Maremmano ist kein Hochleistungshund. Zu viel Protein kann ihn nervös machen und Körper & Gelenke belasten. Viele Probleme wie: Unruhe, Überreaktionen, Dauerstress kommen von zu energiereichem Futter.

Mythos: Kohlenhydrate sind schlecht für Hunde.
Fakt: Gute Kohlenhydrate liefern ruhige, gleichmäßige Energie und passen sehr gut zum Stoffwechsel vieler HSH.

Mythos: Je mehr Energie im Futter, desto besser.
Fakt: Der Maremmano ist ein Energiesparer – Überversorgung führt oft zu Unruhe, Wachstumsschäden oder Verdauungsproblemen.

Mythos: BARF = automatisch artgerecht.
Fakt: Auch BARF kann zu fleischlastig sein, wenn es nicht rassetypisch angepasst wird.

Fazit: Der Maremmano braucht keine Leistungsfütterung, sondern Balance: moderates Fleisch, gute Kohlenhydrate, ruhige Energie. Aufklärung statt Vorurteile – auch beim Futter